Im Januar haben mehrere hundert Grundversorger die Strompreise gesenkt. Die Senkungen beliefen sich auf durchschnittlich vier Prozent im Vergleich zum 31. August 2023. Dies entspricht einer durchschnittlichen Entlastung von 99 Euro bei einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh.
Bereits im September hatten die Stadtwerke ihre Stromtarife an vielen Orten gesenkt. Dennoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Strompreise dauerhaft sinken werden. Die Elektrizitätsunternehmen erwarten mittelfristig Strompreise, die um das Doppelte über dem Niveau vor der Energiekrise von 2022 liegen. „Nach unserer Einschätzung wird dies zu einer Verdoppelung der Gas- und Stromtarife führen“, erklärte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), in dem die Stadtwerke organisiert sind.
Vor allem der Aufwärtstrend bei den Netzentgelten macht eine kontinuierliche Senkung der Strompreise unwahrscheinlich. Ende 2023 beschloss die Bundesregierung, einen für 2024 geplanten Zuschuss an die Übertragungsnetzbetreiber in Höhe von 5,5 Milliarden Euro zu streichen. Dieses Geld war dazu gedacht, die vier großen Netzbetreiber bei der Senkung ihrer Netzentgelte zu unterstützen. Die Unternehmen kündigten daraufhin umgehend an, die Netzentgelte deutlich zu erhöhen – von 3,1 auf 6,4 Cent pro Kilowattstunde.
Viele Stromanbieter gaben im Januar bekannt, dass sie die Preiserhöhung nicht sofort oder zumindest nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben würden. Langfristig werden sich die höheren Netzentgelte jedoch auf die Endkundenpreise auswirken. Da in den kommenden Jahren dreistellige Milliardenbeträge in den Netzausbau investiert werden müssen, könnten die Netzentgelte zu einer entscheidenden Komponente des Endkundenpreises werden. Die regional stark variierenden Netzentgelte machen in vielen Fällen bereits ein Drittel des Strompreises für Endverbraucher aus.
Die Netzentgelte setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: den Netzentgelten der Übertragungsnetze für die „Stromautobahnen“, die große Strommengen über weite Strecken durch Deutschland transportieren, und den Entgelten für die Verteilnetze. Die Verteilnetze transportieren den Strom bis zum Hausanschluss und werden größtenteils von den lokalen Stadtwerken betrieben.
Strompreisentwicklung: Warum ist Strom so teuer?
Die Strompreise in Deutschland sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr hoch. Grund dafür sind staatliche Abgaben, Umlagen und Steuern. Der drastische Anstieg der Gaspreise hat die Situation in den letzten Jahren zusätzlich verschärft.
Dies hat die Stromerzeugung erheblich verteuert. Wenn die Gaspreise steigen, steigen auch die Kosten für die Stromproduktion. Dies liegt am sogenannten Merit-Order-Prinzip, nach dem die Strompreise im Großhandel ermittelt werden.
