Die Preise für Strom und Gas sind gesunken. Daher kann es sich jetzt lohnen, den Strom- und Gasanbieter zu wechseln. Wie funktioniert das? Tipps zum Anbieterwechsel, Preisvergleich und zum Stromsparen.
Strom und Gas werden an den Großhandelsmärkten wieder günstiger gehandelt. Doch nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen sind die Preise in der Grundversorgung mancherorts überdurchschnittlich hoch. Es lohnt sich daher, den eigenen Strom- und Gastarif zu prüfen und über einen Wechsel nachzudenken. Ein guter Anlass dafür ist die Jahresabrechnung, die viele Verbraucher kürzlich erhalten haben. Sie enthält alle wichtigen Informationen, einschließlich des nächstmöglichen Kündigungstermins.
Über 2.000 Euro pro Jahr durch den Wechsel des Strom- oder Gasanbieters sparen
Das Sparpotenzial ist groß, insbesondere wenn man sich noch in der Grundversorgung befindet. „Verbraucher in Niedersachsen zahlen derzeit je nach Region zwischen 10 und 18 Cent pro Kilowattstunde für Gas, während der Strompreis zwischen 30 und 72 Cent pro Kilowattstunde liegt. Das bedeutet, dass einige Kunden mehr als doppelt so viel bezahlen wie andere“, sagt René Zietlow-Zahl von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.
Mit Sonderverträgen kostet Gas aktuell jedoch rund 8,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und Strom etwa 26 Cent. „Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas können Kunden über 2.000 Euro im Jahr sparen, wenn sie die teure Grundversorgung verlassen. Beim Strom liegt die Ersparnis bei einem angenommenen Verbrauch von 2.500 Kilowattstunden pro Jahr bei rund 1.300 Euro“, erklärt der Energierechtsexperte.
Ein Wechsel kann sich aber auch für Verbraucher lohnen, deren Grundversorger preislich im Mittelfeld liegt. Gemessen an den Durchschnittspreisen in Niedersachsen lassen sich jährlich rund 900 Euro beim Gas und 300 Euro beim Strom einsparen.
Gestiegene Netzentgelte: Strompreise steigen ab März
Bundesweit haben über 100 Energieversorger angekündigt, die Strompreise für die Monate März und April um durchschnittlich zehn Prozent zu erhöhen, so das Vergleichsportal Verivox. In der Regel handelt es sich dabei um Grundversorger, die als Gründe höhere Netzentgelte, Beschaffungskosten und Abgaben anführen.
Verbraucherschützer raten Stromkunden, zunächst abzuwarten, ob sie ein Schreiben ihres Anbieters erhalten. Im Falle einer Preiserhöhung besteht ein Sonderkündigungsrecht. Verbraucher können dieses nutzen und sich nach günstigeren Tarifen auf dem Markt umsehen.
Anbieterwechsel – so funktioniert es
Wer in der Grundversorgung ist, kann den Vertrag jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Um den Wechsel reibungslos zu gestalten, sollten sich Verbraucher einen Überblick über möglichst viele Angebote verschaffen, diese miteinander vergleichen und die Anbieter prüfen. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Niedersachsen erklärt, worauf zu achten ist:
- Vertrag prüfen: Wenn Sie die aktuellen Stromtarife ermitteln wollen, müssen Sie sich zunächst über Ihren eigenen Verbrauch und die bestehenden Konditionen im Klaren sein. Wichtige Informationen finden Sie in den Vertragsunterlagen und auf der letzten Rechnung.
- Tarif wechseln: Viele Stromanbieter und Stadtwerke bieten mehr als einen Tarif an. Wenn Sie mit Ihrem aktuellen Anbieter zufrieden sind, können Sie dort nach günstigeren Alternativen fragen.
- Anbietersuche: Bei der Suche nach einem günstigen Stromtarif bieten Vergleichsportale Orientierung. Achten Sie jedoch auf die Filtereinstellungen, da die Standardeinstellungen manchmal nachteilig sein können. Zudem sind nicht alle Anbieter auf Vergleichsportalen zu finden. Oft hilft es auch, Freunde und Bekannte nach ihren Erfahrungen zu fragen.
- Vertragslaufzeit: Verbraucher sollten sich an den neuen Stromvertrag möglichst nur für etwa ein Jahr binden. Um nicht schon nach wenigen Monaten die erste Preiserhöhung zu erhalten, empfiehlt sich ein Tarif mit Preisgarantie.
- Regionaler Anbieter: Ein Kriterium für die Wahl des Energieversorgers kann die regionale Verbundenheit zu einem lokalen Stromanbieter sowie die direkte Erreichbarkeit des Anbieters über ein Kundencenter vor Ort sein.
Anbieter sorgfältig prüfen
Vorsicht ist bei Discount-Anbietern geboten, die vermehrt auf Vergleichsportalen zu finden sind. „Kunden sollten die Vertragsbedingungen – wie Laufzeit, enthaltene Preisgarantien und gegebenenfalls die Berechnung von Boni – im Vorfeld sorgfältig prüfen“, sagt Julia Schröder, Expertin für Energierecht bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Auch Online-Bewertungen, Kommentare über den Anbieter und das Insolvenzrisiko sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden.
Vergleichsportale: Suchfilter anpassen
Wer Vergleichsportale nutzt, sollte sich nicht auf die Standardeinstellungen verlassen. Die Suchfilter sind meist nicht optimal für den Verbraucher eingestellt. Daher sollten sie immer individuell angepasst werden, so Schröder. Tarife mit Vorauszahlung und Paketpreise sollten generell ausgeschlossen werden. Auch Boni sind kritisch zu betrachten, da sie meist nur für kurze Zeit gewährt werden. Wenn Sie sich dennoch dafür entscheiden, sollten Sie nach einem Sofortbonus suchen, der in den ersten Monaten ausgezahlt wird. Andernfalls besteht das Risiko, den versprochenen Rabatt gar nicht oder nicht vollständig zu erhalten.
Link-Tipp: Strom- und Gasvergleich: Vergleichsportale richtig nutzen
Vertrag: Was gilt für Laufzeit und Kündigungsfrist?
Grundsätzlich müssen Sie beim Anbieterwechsel auf die Vertragslaufzeit und die Kündigungsfrist achten. Wenn der Anbieter die Preise erhöht, haben Verbraucher die Möglichkeit, von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen und den Vertrag vorzeitig zu beenden. Der Anbieter muss vorab schriftlich über die Preiserhöhung informieren und auf das Sonderkündigungsrecht hinweisen. Ist dies nicht der Fall, sollten Betroffene widersprechen.
Energieverbrauch senken spart am meisten
Wer sparen möchte, sollte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf den eigenen Energieverbrauch achten. Großes Sparpotenzial gibt es auch beim Heizen durch optimale Einstellungen der Anlage und die richtige Raumtemperatur. So können Sie Strom sparen:
- Auszeit für Geräte: Nach Angaben des Umweltbundesamtes beträgt der Stromverbrauch in einem Haushalt, der ausschließlich durch den Stand-by-Modus verursacht wird, 360 Kilowattstunden pro Jahr. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde sind das rund 108 Euro im Jahr unnötige Kosten.
- Optimale Nutzung: Wie mit den Geräten umgegangen wird, beeinflusst den Energieverbrauch. Gefrierschränke sollten regelmäßig abgetaut, Waschmaschinen und Geschirrspüler nur voll beladen gestartet werden. Wer auf den Wäschetrockner verzichtet und die Wäsche auf die Leine hängt, spart jährlich zwischen 200 und über 500 Kilowattstunden Strom.
- Computer & Zubehör: Kleiner ist besser: Smartphones verbrauchen weniger Energie als Tablets, Tablets weniger als Notebooks und Notebooks weniger als Desktop-PCs.
- WLAN: Viele Router sind echte Stromfresser und verbrauchen teilweise mehr Strom als ein Kühlschrank. Wählen Sie daher einen sparsamen Router, aktivieren Sie nur benötigte Funktionen und schalten Sie das WLAN aus, wenn es nicht genutzt wird.
- Stromfresser entlarven: Denken Sie auch an versteckte Stromfresser im Garten oder im Hobbyraum, wie Wasserpumpen in Teichen und Pools, Saunen, Außenbeleuchtung, Aquarien oder Terrarien.
- Veraltete Geräte: Veraltete Geräte können den Energieverbrauch unnötig in die Höhe treiben. Beispielsweise sollten alte Heizungspumpen, die im Sommer kontinuierlich durchlaufen, außerhalb der Heizperiode abgeschaltet werden.
Verbraucherzentrale bietet kostenlose Energieberatung
Bei Fragen zum Energiesparen kann die Energieberatung der Verbraucherzentrale mit ihren unabhängigen Beratungsangeboten online, telefonisch oder persönlich weiterhelfen.
