Lohnt es sich, den Tarif vor der Heizsaison zu prüfen?

Lohnt es sich, den Tarif vor der Heizsaison zu prüfen?

Die kalte Jahreszeit scheint noch weit entfernt zu sein. Für Haushalte, die mit Gas heizen, sind die Sommermonate jedoch ein guter Zeitpunkt, den bestehenden Vertrag zu überprüfen. Sobald die Temperaturen sinken, steigt der Verbrauch – und ein ungünstiger Tarif kann im Laufe des Winters deutlich höhere Kosten verursachen.

 

Der niedrigste in einem Angebot ausgewiesene Preis ist jedoch nicht das einzige wichtige Kriterium. Für eine fundierte Entscheidung sollten der Preis pro Kilowattstunde, der Grundpreis, die Preisgarantie, die Vertragslaufzeit, mögliche Bonuszahlungen und die Kündigungsbedingungen berücksichtigt werden.

 

Wie ist die aktuelle Preissituation?

 

Laut einer am 4. August 2026 aktualisierten Analyse  lagen die günstigsten empfohlenen Tarife für Neukunden mit einer zwölfmonatigen Preisgarantie im Durchschnitt bei rund 10,91 Cent/kWh.

 

Im April 2026 lag der vom BDEW ermittelte Durchschnittspreis für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bei 11,63 Cent/kWh. Das entspricht jährlichen Kosten von etwa 2.326 Euro.

 

Diese Werte dienen lediglich als Orientierung für den deutschen Markt. Welches Angebot für einen bestimmten Haushalt verfügbar ist, hängt von der Postleitzahl, dem Jahresverbrauch, dem örtlichen Netzbetreiber und den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Deshalb sollte der bestehende Tarif immer mit den konkret am Wohnort verfügbaren Angeboten verglichen werden.

 

Warum können sich die Gaspreise verändern?

 

Der Endpreis wird nicht allein vom Anbieter bestimmt. Er setzt sich aus drei wesentlichen Bestandteilen zusammen:

 

- Kosten für die Gasbeschaffung und den Vertrieb durch den Anbieter;

- Netzentgelte und Messkosten;

- Steuern, Abgaben und Umlagen, einschließlich des CO₂-Preises.

 

Kurzfristig kann der Markt auf die geopolitische Lage, die Preise für Flüssigerdgas, die internationale Nachfrage und die Füllstände der europäischen Gasspeicher reagieren. Auch das Befüllen der Speicher vor dem Winter kann die Preise bereits in den Sommermonaten beeinflussen.

 

Langfristig können insbesondere zwei Faktoren die Gasrechnung verteuern: ein steigender CO₂-Preis und höhere Netzentgelte. Wenn immer mehr Haushalte auf andere Heizsysteme umsteigen, verteilen sich die Kosten der Gasinfrastruktur auf weniger Verbraucher. Dadurch können für die verbleibenden Netznutzer höhere Entgelte entstehen.

 

Was sollte im Vertrag überprüft werden?

 

Vor Beginn der Heizsaison lohnt es sich, folgende Angaben auf der Rechnung und im Vertrag zu prüfen:

 

1. Arbeitspreis – der Preis für jede verbrauchte Kilowattstunde.

 

2. Grundpreis – der feste Betrag, der unabhängig vom Verbrauch monatlich oder jährlich berechnet wird.

 

3. Gesamter Jahrespreis – ein aussagekräftiger Vergleich sollte auf dem tatsächlichen Verbrauch aus der letzten Jahresabrechnung basieren.

 

4. Preisgarantie – welche Preisbestandteile tatsächlich abgesichert sind und welche Steuern, Abgaben oder Umlagen sich dennoch ändern können.

 

5. Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist.

 

6. Bonuszahlungen – wann sie gewährt werden und welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen.

 

7. Preis nach dem ersten Vertragsjahr – manche Tarife werden nach Ablauf des Bonus- oder Aktionszeitraums teurer.

 

Eine Preisgarantie von 24 Monaten kann Planungssicherheit bieten, ist aber nicht automatisch die beste Lösung. Mitunter kann ein Angebot mit zwölfmonatiger Preisgarantie, einem günstigeren Einstiegspreis und flexibleren Bedingungen vorteilhafter sein.

 

Entscheidend sind die Gesamtkosten und das Risiko, langfristig an einen teuren Vertrag gebunden zu sein.

 

Wer kann den Gasanbieter wechseln?

 

Eigentümer und Mieter mit einer eigenen Gasheizung und einem Vertrag auf den eigenen Namen können ihren Gasanbieter in der Regel frei wählen.

 

In einem Mehrfamilienhaus mit einer zentralen Gasheizung wird der Vertrag meist vom Vermieter oder von der Hausverwaltung abgeschlossen. Mieter können den Anbieter dann nicht selbst wechseln. Sie können jedoch den in der Heizkostenabrechnung ausgewiesenen Preis prüfen und den Vermieter bitten, günstigere Angebote zu berücksichtigen.

 

Der Vermieter muss dabei das Wirtschaftlichkeitsgebot gemäß § 556 Abs. 3 BGB beachten.

 

Mieter sollten außerdem kontrollieren, ob der vom Vermieter zu tragende Anteil an den CO₂-Kosten in der Heizkostenabrechnung korrekt berücksichtigt wurde. Haben Mieter einen eigenen Gasvertrag, müssen sie die Erstattung des Vermieteranteils gesondert beantragen.

 

Wie viel lässt sich durch einen Tarifwechsel sparen?

 

Die mögliche Ersparnis hängt von der Differenz zwischen dem bisherigen Tarif und dem neuen Angebot ab.

 

Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bedeutet bereits ein Preisunterschied von nur 2 Cent/kWh eine Ersparnis von rund 400 Euro pro Jahr – noch bevor Unterschiede beim Grundpreis berücksichtigt werden.

 

Deshalb sollte ein Vergleich nicht allein anhand eines Bonus oder eines beworbenen Preises erfolgen. Ein seriöses Angebot wird auf Grundlage des tatsächlichen Jahresverbrauchs berechnet und als Gesamtpreis dargestellt.

 

Fazit

 

Den Gasvertrag vor der Heizsaison zu überprüfen, bedeutet nicht, den Anbieter um jeden Preis wechseln zu müssen. Vielmehr geht es darum festzustellen, ob der bestehende Tarif noch wettbewerbsfähig ist, ob die Preisgarantie ausreichend Schutz bietet und ob es Vertragsbedingungen gibt, die besser zum eigenen Haushalt passen.

 

Möchten Sie wissen, ob Sie zu viel für Gas bezahlen?

 

Ich helfe Ihnen gerne dabei, Ihre aktuelle Rechnung und Ihren Vertrag kostenlos zu prüfen, die an Ihrem Wohnort verfügbaren Angebote zu vergleichen und die Kosten transparent zu verstehen, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

 

Die Informationen und Preise in diesem Artikel entsprechen dem Marktstand vom 4. August 2026 und dienen der allgemeinen Information. Die verfügbaren Angebote unterscheiden sich je nach Wohnort, Verbrauch und Vertragsbedingungen des Anbieters.

 

Quellen:

- "BDEW – Entwicklung und Struktur der Gaspreise in Deutschland" (https://www.bdew.de/energie/gaspreise/)

- "Bundesnetzagentur – Aktuelle Lage der Gasversorgung" (https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/start.html)